Lokalisierung der Globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) 2019-10-09T15:56:25+00:00

Lokalisierung der globalen Nachhaltigkeitsziele

СМИ об ibb-d.by

Obwohl die Grundprinzipien und Ziele der Agenda 2030 global gelten, hängt ihre Verwirklichung in erster Linie von konkreten Aktivitäten auf subnationaler Ebene ab. Die Lokalisierung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) transformiert die Agenda 2030 aus einem umfassenden und abstrakten Dokument in ein konkretes und effektives Programm, denn gerade dieser Prozess macht verständlich, wie lokales Handeln zur Erreichung der globalen Ziele beitragen kann (für Weiteres s. das Handbuch „Fahrplan für die Lokalisierung der SDGs: Umsetzung und Monitoring auf subnationaler Ebene“).

Die Lokalisierung der SDGs bezeichnet die Herunterbrechung der globalen Nachhaltigkeitsziele auf den spezifischen Kontext und die Potenziale eines konkreten Territoriums, um seine inklusive und nachhaltige Entwicklung zu sichern. Gleichzeitig müssen bei der Lokalisierung der SDGs auf subnationaler Ebene die Prioritäten und Ziele berücksichtigt werden, die in den Strategiedokumenten auf nationaler Ebene definiert sind.

Daher werden in der 9. Phase des Förderprogramms Belarus (2019–2022) Projektvorhaben und Maßnahmen im Rahmen des thematischen Schwerpunkts „Lokalisierung der SDGs“ gefördert, die einen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 v.a. in folgenden drei Aspekten leisten können.

  1. Unterstützung der Prozesse zur Erarbeitung, Weiterentwicklung, Umsetzung, Evaluation und zum Monitoring von Nachhaltigkeitsstrategien auf der Ebene eines Gebiets (Oblast) bzw. Bezirks (Rajon) unter Berücksichtigung der Ziele und Grundprinzipien der Agenda 2030

 In den belarussischen Regionen gibt es bereits heute zahlreiche Aktivitäten vor Ort, die einen direkten Beitrag zur Lokalisierung der Agenda 2030 leisten. Auf der Bezirksebene wurden vielerorts nicht nur erste NHS, sondern auch weitere themenspezifische Strategiedokumente erstellt, wie die so genannten TOR-Pässe (entsprechend der UNDP-Methodologie der territorial orientierten Entwicklung erarbeitete Strategiedokumente), Aktionspläne zur nachhaltigen Entwicklung im Energie- und Klimabereich, Pläne für die grüne Stadtentwicklung u. a.

Heute gilt es die erreichten Fortschritte auszuwerten und die bereits bestehenden Strategiedokumente auf der Bezirks- und Gebietsebene weiterzuentwickeln sowie, wenn noch keine Nachhaltigkeitsstrategie (NHS) vorliegt, Schritte zu unternehmen, um die lokalen Strategiedokumente in eine integrierte NHS zu überführen, da eine integrierte NHS es besser ermöglicht, Synergien zwischen einzelnen prioritären Handlungsfeldern zu entdecken und zu realisieren und damit die Effektivität der Maßnahmen zur Zielerreichung zu erhöhen. Wichtig ist dabei, dass in diesen lokalen Programmen und Aktionsplänen unter anderem ihre potenziellen Beiträge zu einzelnen oder mehreren SDGs dargestellt werden.

  1. Entwicklung von Formen der Zusammenarbeit und Einführung von Kooperationsinstrumenten für die Lokalisierung der Ziele und Grundprinzipien der Agenda 2030 auf subnationaler Ebene

Die Wirksamkeit der Erarbeitung und Umsetzung von Strategiedokumenten, die die nachhaltige Entwicklung eines konkreten Territoriums ermöglichen sollen, hängt unmittelbar von der Intensität der partnerschaftlichen Kooperation zwischen Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie von der weitestgehenden Beteiligung der Bürger an diesen Prozessen ab. Wichtig ist also, dass bei der Lösung konkreter Aufgaben ein Multi-Akteurs-Ansatz unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten verfolgt wird.

Zu den möglichen Formaten der sektorenübergreifenden Kooperation gehören die Gründung von gesellschaftlichen Beiräten, ständigen Arbeits- und Koordinierungsgruppen sowie der Auf- und Ausbau von Netzwerken für den Austausch von Informationen und Erfahrungen aus den Prozessen der Lokalisierung der SDGs.

Zur Ermöglichung von Partizipation, d. h. der Beteiligung eines breiten Spektrums verschiedener gesellschaftlicher Akteure, sind neue Formen und Methoden wie Zukunftswerkstätten, Barcamps usw. erforderlich (s. konkrete Beispiele und Methoden im Handbuch „Monitoring, Evaluation und Weiterentwicklung lokaler und regionaler Nachhaltigkeitsstrategien“). Für eine umfassende Einbeziehung von Bürgern und Wirtschaftsakteuren in Strategieprozesse im Kontext der Lokalisierung der SDGs ist es auch wichtig, neue Ansätze in der Haushaltsplanung einschließlich Bürgerhaushalte sowie der Beschaffung von Investitionen (Impact Investment) zu entwickeln.

  1. Information, Bewusstseinsbildung und Erweiterung der Möglichkeiten zur kompetenten Beteiligung verschiedener Zielgruppen an der Umsetzung der Ziele und Grundprinzipien der Agenda auf subnationaler Ebene

Aus unserer Sicht spielt die Bildung für nachhaltige Entwicklung eine Schlüsselrolle für die Bewusstseinsbildung und die Erweiterung der Möglichkeiten für eine kompetente Bürgerbeteiligung. Dementsprechend werden in der 9. Phase die Etablierung innovativer Bildungsansätze und die Durchführung innovativer Informationskampagnen für verschiedene Zielgruppen im Sinne des Prinzips „Niemanden zurücklassen“ im Kontext der Lokalisierung der SDGs gefördert.

In diesem Zusammenhang sind auch Maßnahmen zur Qualifizierung von Multiplikatoren, insbesondere von Beratern, die subnationale Strategieprozesse begleiten können, aber auch Journalisten usw. von großer Bedeutung.