Inklusive und gleichberechtigte Gesellschaft 2019-10-09T14:56:34+00:00

Inklusive und gleichberechtigte Gesellschaft

Zu den Schwerpunkten des Förderprogramms Belarus gehört Hilfe beim Aufbau einer inklusiven und gleichberechtigten Gesellschaft.

Belarus verfolgt seit vielen Jahren das Ziel einer solchen Gesellschaft. So wurde bisher Vieles für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung getan. Insbesondere hat Belarus die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und setzt derzeit einen Aktionsplan zur Umsetzung dieses Übereinkommens um. Aktuell ist ein Gesetz „Über die Rechte von Behinderten und ihre soziale Integration“ in Vorbereitung.

Um Männer und Frauen gleichzustellen, wird in Belarus der Nationale Aktionsplan zur Sicherung der Geschlechtergerechtigkeit für die Jahre 2017–2020 umgesetzt. Der belarussische Staat zeigt sich auch an der Verankerung des Begriffs soziales Unternehmertum und der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie an der Frage der Überwindung negativer Auswirkungen des demographischen Wandels interessiert. Zugleich ist klar, dass das Potenzial verschiedener Bevölkerungsgruppen derzeit nicht vollständig genutzt wird und gemeinsame Bemühungen von Akteuren aus allen Sektoren erforderlich sind, um dieses zu erschließen.

Um die Entstehung einer inklusiven und gleichberechtigten Gesellschaft zu begünstigen, in der alle Mitglieder ihr Recht auf ein aktives und gutes Leben verwirklichen und an allen für sie wichtigen Prozessen teilhaben können (Grundprinzip „Niemanden zurücklassen“), werden in der 9. Phase des Förderprogramms Belarus (2019–2022) Projektvorhaben und Maßnahmen gefördert, die einen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 in folgenden drei Aspekten leisten können.

1. Etablierung unternehmerischer Ansätze zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme

Das Thema soziales Unternehmertum wurde bereits in der vorigen, 8. Phase aktiv erschlossen. Seit 2016 unterstützte das Förderprogramm die Einbeziehung von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen in die Studien des Forschungsinstituts beim belarussischen Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit zu Fragen der Entwicklung des sozialen Unternehmertums in Belarus, veranstaltete zwei landesweite Social Business Foren mit und organisierte eine Bildungsreise für staatliche und zivilgesellschaftliche Vertreter nach Deutschland, bei der es um Erfahrungen von deutschen sozialen Unternehmen ging.

In der 9. Phase werden Projektvorhaben zum sozialen Unternehmertum weiterhin vorrangig gefördert. Soziales Unternehmertum ist von seinem Wesen her auf die Erreichung wirtschaftlicher Ziele ausgerichtet, andererseits leistet es einen direkten Beitrag zur Lösung von sozialen und ökologischen Fragen. Obwohl es in Belarus keine Rechtsvorschriften zum sozialen Unternehmertum gibt, werden seit mehreren Jahren soziale Unternehmen hierzulande aktiv gegründet und entwickelt.

Die am meisten verbreitete Art sozialer Unternehmen sind Inklusionsfirmen, welche Menschen mit Behinderung geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Andere Formen sozialer Unternehmen sprechen weitere benachteiligte Bevölkerungsgruppen an und beschäftigen sich mit Aufgaben zur Erhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung von Naturressourcen, zur Reduzierung des Gefälles zwischen Stadt und Land beim Zugang zu Dienstleistungen, Bildungs- und sonstigen Angeboten.

 2. Lösung von Problemen, die durch demographische Veränderungen verursacht werden

Der demographische Wandel im Land bringt neue gesellschaftliche Herausforderungen mit sich, die alle Bereiche und Branchen betreffen. Bei den mit der alternden Bevölkerung verbundenen Problemen geht es nicht nur um eine größere Belastung für den Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungssysteme und das Gesundheitswesen.

Mit der steigenden Lebenserwartung stellen sich auch Fragen nach der Rolle von Senioren in der Gesellschaft, der Stärkung von Beziehungen zwischen den Generationen, der Unzulässigkeit der Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, der Sicherung von Möglichkeiten und Angeboten für lebenslanges Lernen, dem Mitspracherecht älterer Bürger, der verbesserten Infrastruktur für die maximale Verlängerung des selbstbestimmten Lebens und vielem anderen mehr.

Die Demenz gehört zu den größten sozialen Problemen des 21. Jahrhunderts, das international, national und lokal angegangen werden muss. Dieses Problem wurde bereits mehrmals im Rahmen der Aktivitäten des Förderprogramms Belarus thematisiert, so wurde 2018 das Handbuch „Demenz als neue soziale Herausforderung“ erstellt. In der 9. Phase wollen wir unsere Aktivitäten hierzu erweitern und vertiefen.

3.  Anwendung neuer Methoden, Instrumente und Modelle zur Lösung sozialer Probleme

Das Förderprogramm Belarus unterstützt sehr gern innovative Ansätze in der Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen, wie z.B. die Gründung von Zentren für komplexe Dienstleistungen zur Resozialisierung von Haftentlassenen, die Entwicklung verschiedener Formate des freiwilligen und ehrenamtlichen Engagements, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von Männern zwecks Reduktion der Differenz in der Lebenserwartung von Frauen und Männern, Beratungsdienstleistungen für Arbeitgeber, die Menschen aus verschiedenen benachteiligten Gruppen beschäftigen wollen, sowie zur Durchsetzung des Prinzips der Nichtdiskriminierung u. a.

Zu den Highlight-Veranstaltungen im sozialen Bereich des Förderprogramms Belarus gehört das landesweite („Republikanische“) Soziale Forum in Belarus. Beim Forum diskutieren staatliche Verwaltungsbehörden und Organisationen, die sich im sozialen Bereich engagieren, aufgrund ihrer Erfahrungen Möglichkeiten und Wege der gemeinsamen Lösung aktueller sozial relevanter Probleme. Die Teilnahme ausländischer Experten ermöglicht Einblicke in internationale Erfahrungen und gegenwärtige Tendenzen der Entwicklung jeweiliger sozialer Bereiche weltweit.

Der Rückblick auf die Ergebnisse von vier bisherigen Sozialen Foren lässt mit Sicherheit behaupten, dass das Forum zur einer gefragten offenen Plattform geworden ist, auf der unter Beteiligung führender Akteure und Fachleute Erfahrungen ausgetauscht, Perspektiven für die Entwicklung des sozialen Bereichs diskutiert sowie die Positionen unterschiedlicher Sektoren und Institutionen abgestimmt werden.

Das nächste, bereits fünfte Soziale Forum soll 2020 stattfinden.